Veröffentlicht am: 1. Januar 2021867 Wörter4.3 min Lesezeit

Wie kann ich jedem Kunden, jeder Kundin ein Lachen mitgeben?

Wie kam es zur Lach Apotheke und was ist meine Mission dahinter? Denn eine Apotheke wird zumeist mit Krankheit, mit ernsten und seriösen Fragestellungen in Verbindung gebracht, das ist in erster Linie wirklich nicht heiter. Kunden kommen auch nicht vordergründig, weil es so lustig ist in die Apotheke. Sondern es schmerzt, zwickt oder zwackt irgendwo und Krankheit wird nicht mit Freude gleichgesetzt. Also wo gibt es da einen Anlass zu lachen oder gar den Ansatz, eine Lach Apotheke zu gründen?

Lachen schafft eine freundliche, vertrauliche Atmosphäre.

Lachen öffnet eine neue Art von Gesprächsebene, auch wenn es um ernste Dinge wie Arzneimittelberatung geht. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Lach Apotheke möchten auch bei schwerwiegenden Themen Leichtigkeit schaffen. Die Botschaft ist: „Auch wenn es dir nicht besonders gut geht, versuch zu lachen, zu lächeln – es hebt deine Stimmung!“

Es gibt viele wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass beim Lachen Endorphine ausgeschüttet werden. Diese lindern Schmerzen und lösen Glücksgefühle aus. Es ist uns ein Anliegen, dieses Glücksgefühl unseren Kunden zusätzlich zu unserer erstklassigen Beratung mitzugeben. Außerdem schafft Lachen eine menschliche Verbindung, die wir gerade im Zeitalter der Digitalisierung umso mehr brauchen. Menschliche, emotionale Kontakte fördern unsere Gesundheit, davon bin ich überzeugt.

Wie kann ich jedem Kunden, jeder Kundin ein Lachen mitgeben?

Es war im Frühjahr 2013, als eine groteske Situation meinen Apothekenalltag erhellte und mir die entspannende Wirkung des Lachens zeigte. Ich steckte mitten in einem anstrengenden Beratungsgespräch mit einer gestressten Kundin und ihrer Tochter. Das Gespräch fand nicht auf Augenhöhe statt, vielmehr dirigierte mich die Kundin herum und benützte mich als ihr Ventil, um ihren Stress abzureagieren. Kein angenehmes Gesprächsklima. Doch auch in dieser Situation ließ ich mich nicht aus der Ruhe bringen, wusste ich ja auch nicht, was der Kundin vorher selbst widerfahren war.

In diesem Moment kam ein Patient, der bei uns in der Apotheke im Drogenentzugsprogramm ist, herein, sichtbar tätowiert, mit Nasenpiercing. Er hatte seinen kleinen, sabbernden Hund mit, eine Mischung aus Boxer und Terrier, an sich schon lustig anzuschauen. Der Patient musste, um seine Tabletten abholen zu können, auf mich warten und stellte sich deshalb in eine Ecke der Apotheke. Der Hund neben ihm sabberte und der Patient zog fortwährend seinen Rotz auf. Er brauchte dringend ein Taschentuch, das Schniefen war in der ganzen Apotheke zu hören.

Kurz darauf kam ein Botschafter mit seinen zwei Bodyguards in die Apotheke. Die beiden Bodyguards, wie man sie aus Filmen kennt, mit Headsets im Ohr, verspiegelten Sonnenbrillen und exakten Haarschnitten, stellten sich grimmig schauend und die Hände vorm Gemächt rechts und links vom Substitutionspatienten hin. – Es war ein bizarres Bild, die schwarzen, leicht glänzenden Anzüge der Bodyguards und dazwischen der Nase aufziehende, abgeschnuddelte Patient mit Sabberhund. Der Patient nahm die beiden Bodyguards gar nicht richtig wahr, war er doch in seiner eigenen Welt versunken. Ich hatte die ganze Zeit dieses Bild der Dreier-Gruppe vor mir und musste mir schon ein Lachen verkneifen, ehrlicherweise traute ich mich nicht vor der Kundin zu lachen. Doch ich spürte, wie meine Mundwinkel schon zuckten. Zufällig schaute sich die gestresste Kundin dieses Grüppchen, wie aus dem Film, ebenfalls an, sie schaute wieder mich an – und konnte sich selbst nicht mehr halten. Sie fing schließlich herzlich und laut zu lachen an. Ich brauchte mein Lachen nicht mehr unterdrücken und lachte mit. Es entstand ein schallender Lachanfall, sogar der Botschafter grinste. Nur die beiden Aufpasser verzogen keine Miene. Ich bin sicher, sie bekommen eine eigene Ausbildung, um ernst zu bleiben und nicht zu lachen und müssen dafür Übungen absolvieren.

In diesem Lachen löste sich der Stress der Kundin und unseres Beratungsgesprächs völlig auf und war wie weggeblasen. Wir konnten unser Gespräch nett und locker fortsetzen, eine andere Ebene hatte sich eröffnet. Die Kundin ging sogar lachend aus der Apotheke. Da blitzte die Frage in mir auf: „Wie kann ich jedem Kunden, jeder Kundin ein Lachen mitgeben?“

Auf nach Indien

Mir war bewusst, dass ich diese Situationen nicht künstlich erzeugen konnte. Ich bin keine Komikerin und zur Kabarettistin habe ich mich auch nicht berufen gefühlt, außerdem sind wir ja in keinem Kabarett, sondern in einer Apotheke. Auf der Suche nach „beruflichem“ Lachen, um das Lachen zu vermehren, denn die gesundheitlichen Vorteile des Lachens waren mir bewusst, stieß ich schließlich auf Lachen ohne Grund – Lachyoga. Auch aus einem Tiefpunkt in meinem Privatleben heraus entschloss ich mich spontan, nach Indien zu reisen, um die Ausbildung zur Lachtrainerin zu absolvieren. Das hat nicht nur mein Leben verändert sondern war auch die Geburtsstunde der Lach Apotheke.

Lachyoga – kommt aus Indien und wurde von Dr. med. Madan Kataria und seiner Frau Madhuri 1995 vom klassischen Yoga abgeleitet. Durch Körper- und Atemübungen wird der Organismus angeregt, ohne Grund zu lachen. Die körperlichen Benefits sind die gleichen, da der Körper zwischen Lachen mit und ohne Grund nicht unterscheiden kann. Hier kannst du mehr dazu lesen.

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