Veröffentlicht am: 1. Januar 2021474 Wörter2.4 min Lesezeit

Was hat die Chefin in Indien eingenommen?

Ich beschloss, meinem Team Lachen ohne Grund zu zeigen und setzte sofort einen Termin für den Lachworkshop an. Jetzt wollte ich keine Zeit mehr vergeuden. Die Lachstunde sollte direkt in der Apotheke stattfinden. Ich erinnere mich genau an das Gesicht einer Mitarbeiterin, als ich ihr auf die Frage, welcher Trainer oder welche Trainerin mit uns lachen werde, sagte, dass ich selbst diese Lachyoga-Stunde leiten würde. Ihre Verwunderung war ihr im Gesicht abzulesen oder anders gesagt: Es blieb ihr der Mund vor Staunen offen.

Ich machte mich zum Affen

Ich zog es durch und animierte mein Team zum Lachen. Die Skepsis, die Scheu, die Scham, alles war am Anfang riesengroß. Es ist ja auch kein Leichtes, plötzlich mit seiner Chefin ohne Grund zu lachen und sich sprichwörtlich zum Affen zu machen. Denn es gibt die Lachübung „Gorilla-Lachen”. Also hüpften wir wie Gorillas durch die Materialkammer, sprich das Lager, der Apotheke und lachten. Dort, wo sonst Bestellungen gemacht werden, Ware übernommen wird, wo sich unser Warenvorrat befindet, glucksten und kicherten wir durcheinander.

Wir verwandelten uns in Pinguine, Elefanten und Marsmännchen, erhielten lustige imaginäre Handyanrufe und schluckten in unserer Vorstellung Lachpillen. Ich gab mein Bestes und war auch selbst sehr aufgeregt. Nach 10 Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, sprang der Funke über und das Lachen verbreitete sich und erfüllte den Raum. Unsere Ware, unser Teevorrat, alles wurde von Lachen eingehüllt. Ich hatte es geschafft, meinem Team die Kraft des Lachens und seine wohltuende Wirkung näherzubringen. „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupery).

Mein Team im Lachboot

Ohne mein Team wäre meine Idee der Lach Apotheke auf verlorenem Posten gewesen. Ich brauchte alle im Lachboot. Und: Es hatte funktioniert. Das Lachen schwappte wie eine Welle über uns. Natürlich hatte ich damals als Chefin den Vorteil, dass ich meinem Team diese Lachstunde verordnen konnte. Für mich persönlich war es jedoch die große Herausforderung, meine Rolle als Chefin in diesem Workshop fallenzulasse. Bis heute glaube ich, dass mein Team anfangs dachte: Was hat die Chefin in Indien genommen? Die ist völlig durchgeknallt.

Mit Leuten, die du nicht kennst, Lachübungen zu machen, dein inneres Kind zu zelebrieren und völlig losgelöst von jeder Norm laut zu lachen, ist das eine, doch dich vor deinem eigenen Team zum Kasperl zu machen, ist eine andere Herausforderung. Werden sie mich je wieder ernst nehmen? Das ist ein weit verbreiteter Glaubenssatz, nur respektiert zu werden, wenn du ernst agierst.

Meinem Image als Chefin hat es nicht geschadet.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Ähnliche Beiträge